Ablegen
Das Anlegen ist in der Regel etwas anspruchsvoller als das Ablegen. Allerdings habe ich beim Ablegen wohl genauso viele Pannen erlebt! Ich habe schon lange kein Golf mehr gespielt, seit ich auf einer kleinen Karibikinsel lebe — aber ich erinnere mich noch gut daran, wie wichtig ein guter erster Abschlag ist, um den richtigen Ton für den Rest des Tages zu setzen.
Tipp Nr. 1 – Vorbereitung
Wenn Sie sicher am Steg festgemacht haben, besteht kein Grund zur Eile — nehmen Sie sich die Zeit, einen genauen Plan zu entwickeln. Sobald Sie die Manöver im Kopf durchgespielt haben, weisen Sie Ihre Crew ein. Beim Militär heißt es, man muss sicherstellen, dass die übermittelte Botschaft so ankommt, wie sie gemeint war. Ich frage gerne nach: „Also, was machst du jetzt?“ Denn wenn etwas schiefläuft, ist am Ende der Skipper verantwortlich.
Tipp Nr. 2 – Wind bläst ab (vom Steg weg)
Dies ist das einfachere Szenario — dennoch ist es wichtig, die Leinen so vorzubereiten, dass sie schnell losgeworfen werden können, und sicherzustellen, dass alle an Bord bereit sind, bevor die Leinen losgemacht werden. Oft wird eine hilfsbereite Person am Steg anbieten: „Ich lasse das für Sie los.“ Seien Sie jedoch vorsichtig: Diese Person hat nicht an der Einweisung zur Manövrierung teilgenommen. Außerdem ist eine verklemmte oder nicht rechtzeitig losgelöste Leine der häufigste Grund dafür, dass etwas schiefgeht. Es ist wichtig, im Blick zu behalten, was sich unter dem Wind befindet, und bei Bedarf Fender auszubringen — zum Beispiel wenn ein anderes Boot in der Nähe liegt. Manchmal ist auch etwas mehr Tempo erforderlich, um wegzukommen, bevor der Wind zu viel Einfluss gewinnt.
Auf einem Einrumpfboot mit Bugstrahlruder neigen manche dazu, dieses einzusetzen, um zu verhindern, dass der Bug wegdriftet. Das kann helfen, verstärkt jedoch den Effekt, dass das Heck nun umso schneller abdriftet, wenn sich etwas unter dem Wind befindet. Falls Sie abtreiben, müssen Sie den Bug unter Umständen abfallen lassen, um zu verhindern, dass das Heck gegen ein Hindernis schwenkt. Bei starkem Wind geschieht das sehr schnell — und manchmal ist es die bessere Option, ob auf einem Mono- oder Katamaran, den Wind einfach den Bug herumdrehen zu lassen und rückwärts herauszufahren, anstatt dagegen anzukämpfen. Die große Windangriffsfläche der breiten Seiten eines Katamarans macht den Lee-Drift noch ausgeprägter. Schnelles Fahren in einer Marina ist nie ratsam — aber an einem windigen Tag ist manchmal ein entschlossener erster Impuls nötig, um freizukommen und auf Kurs zu bleiben.
Tipp Nr. 3 – Wind bläst an (auf den Steg zu)
Der größte Fehler besteht darin, aus dem Liegeplatz herauszufahren und darauf zu hoffen, dass die Fender ausreichen, bis man frei ist. In der Regel wandern die Fender durch die Rollbewegung und die Reibung beim Vorwärtsfahren nach oben und fallen heraus, solange man noch am Steg entlangfährt. Das kritischste Hindernis in diesem Szenario ist die Außenecke des Stegs: Der Wind versucht, das Boot mit der Breitseite dagegen zu drücken, wobei das Boot um diese Ecke zu schwenken beginnt.
Wenn möglich, empfiehlt es sich immer, eine Springleine zu nutzen, um sich in den Wind zu drehen und einen gewissen Winkel zu gewinnen, bevor man herausfährt. Einrumpfboote mit Bugstrahlruder können dieses stattdessen einsetzen; bei einem Katamaran kann man beide Motoren gegenläufig betreiben, um zu drehen. Allerdings ist ein abgefierter Spring eine stabilere und besser kontrollierbare Manövrierung — und man sollte nicht vergessen, einen Fender zu setzen.
Besonders bei Katamaranen wird das Springmanöver beim Ablegen oft vergessen, da das Drehen mit zwei Motoren einfach erscheint. Bei ruhigem Wetter genügt es in der Regel, einen Motor vorwärts und den anderen rückwärts laufen zu lassen, um sauber zu drehen. Bei Wind ist es jedoch schwierig, die Gashebel so auszubalancieren, dass keine Längsverschiebung am Steg entsteht, die der Wind verursacht. Wenn das passiert, neigt der Fender, den Sie zum Schutz der Ecke gesetzt haben, aufgrund der flachen Seiten und scharfen Ecken dazu, wegzurollen und herauszufallen. Wenn möglich, ist es in der Regel vorzuziehen, den Bug abzuspringen. Die Hecks sind oft etwas exponierter und laufen zu den Badeplattformen hin ab, was das Setzen von Fendern erschwert. Das Heck unter einem nicht schwimmenden Betonkai einzuklemmen, kann ein ernstes Problem darstellen.
Ich bevorzuge es immer, einen Fender an einer Ecke quer statt senkrecht anzubringen. Das bietet eine deutlich größere Kontaktfläche und verringert die Gefahr, dass er herausrollt. Man kann einfach die Leine eines anderen Fenders abnehmen, um einen doppelten zu befestigen, oder eine Reserveleine für diese Situation bereithalten.
Mit einem Bugspring können Sie das Boot herumdrehen und dann rückwärts in den Wind herausfahren. Die andere Möglichkeit besteht darin, das Heck weit genug vom Steg wegzuschwenken, sodass Sie anschließend mit beiden Motoren in die entgegengesetzte Richtung drehen und vorwärts herausfahren können.
Tipp Nr. 4 – Abschließender Gedanke
Es wird nicht immer möglich sein, alles perfekt durchzuführen — man muss sich den jeweiligen Gegebenheiten anpassen. Wenn ein Liegeplatz beim Einfahren einfach zu erreichen war, ist er beim Ausfahren oft nicht genauso einfach zu verlassen. Manchmal lohnt es sich, bereits beim Einfahren an das spätere Ablegen zu denken, wenn man die Wahl des Liegeplatzes hat.
Das Wichtigste ist Planung und Vorbereitung für das bestmögliche Ergebnis. Und wenn es nicht ganz so läuft, wie man es sich vorgestellt hat — es gibt immer das 19. Loch und den Grund, warum man Rum an Bord haben sollte!
giles
